Artikel 25 der UN-Kinderrechtskonvention:
Kinder und Jugendliche, die im Heim oder im Krankenhaus leben müssen, haben ein Recht auf regelmäßige Überprüfung ihrer Unterkunft und Behandlung.
Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie in Südtirol - eine unendliche Geschichte?
Anlässlich des 20. Jahrestages der UN-Kinderrechtskonvention und des darin beschriebenen Grundrechts auf Gesundheit, die, laut Weltgesundheitsorganisation, einen Zustand körperlichen, sozialen und geistigen Wohlergehens beschreibt, sollten wir, wie schon vor einigen Jahren, einen kritischen Blick auf die psychologisch-psychiatrische Versorgung von Kindern und Jugendlichen in Südtirol werfen. Zudem werde wir in der Jugendberatungsstelle Young+Direct immer wieder mit Fällen konfrontiert, wo eine Zusammenarbeit mit einem funktionierenden Dienst für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie notwendig wäre.Prinzipiell sollte man dem internationalem Standard folgen und grundsätzlich von Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie sprechen. In Fachkreisen wird heutzutage nie von Kinder- und Jugendpsychiatrie alleine gesprochen, denn die Psychotherapie wird immer als wichtiger Bestandteil angesehen.
Eigentlich dürfte das Thema Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie in Südtirol längst kein großes Aufsehen mehr erregen und der Dienst einwandfrei funktionieren, denn mittlerweile sind fast zehn Jahre vergangen, seitdem die Landesregierung dessen Umsetzung beschlossen hat.
Bereits ein Beschluss im fernen Jahr 2000 sah die Errichtung eines landesweiten Dienstes für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie samt aller nötigen Elemente wie stationäre und ambulante Betreuung, Notdienst, Vorsorge, Diagnose, Psychotherapie etc. vor.
Was hat sich aber seit damals in puncto Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie getan? Ein großer Schritt, zumindest auf politischer Ebene, war ein erneuter Beschluss seitens der Südtiroler Landesregierung im Jahr 2007, wobei die Schaffung eines Netzwerkes „Kinder- und Jugendpsychiatrie“ verabschiedet und Dr. Ingo Stermann mit der Koordination desselben beauftragt wurde.
Die erste Neuerung bzw. Veränderung seitens des neu beschlossenen Netzwerkes war, bereits bestehende, von Stiftungen und Sozialgenossenschaften geführte Einrichtungen wie z.B. Wohnheime, in das „neue“ Projekt zu integrieren. Somit wird das Projekt Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie nicht nur vom Sanitätswesen getragen, sondern zudem vom Sozialwesen unterstützt und mit finanziert.
„Die privaten Einrichtungen sowie die Dienste des Sozialwesens haben in puncto Unterbringung und Betreuung von verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen einfach einen jahrelangen Vorsprung gegenüber der Sanität", so der Koordinator des Netzwerkes für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Dr. Ingo Stermann. „Darum kann das Projekt Kinder- und Jugendpsychiatrie - und das ist einer der wichtigsten Gedanken überhaupt - nur ein sozial-sanitäres Projekt sein,“ so Stermann weiter.
Aus diesem Grund wurden bereits im Jahr 2007 in mehreren sozialpädagogischen Wohngemeinschaften des Landes zusätzliche Plätze für die Unterbringung von „psychiatrischen“ Fällen, sprich Kindern und Jugendlichen mit psychiatrischen Diagnosen, geschaffen. Insgesamt wurden dafür in den Einrichtungen Villa Winter (Bruneck), St. Nicoló (Meran), La Strada (Bozen), Tagesstätte Promosolida (Bozen) und Kinderdorf (Brixen) mehr als 20 Plätze geschaffen.
Leider wurden diese Plätze vor dem Aufbau eines gut funktionierenden kinder- und jugendpsychiatrischen und psychotherapeutischen Dienstes eingeführt.
Ein nächster Schritt war eine zunehmend engere Zusammenarbeit des Netzwerkes mit den Abteilungen der Erwachsenenpsychiatrie, welche in den Krankenhäusern von Meran, Brixen und Bruneck jeweils ein bzw. in Bozen zwei Betten für die Aufnahme von Kindern und Jugendlichen bereitstellen sollten.
Aber gerade hier ist aus psychologischer Sicht der größte Kritikpunkt überhaupt anzusetzen. Die möglichen negativen Auswirkungen auf einen Jugendlichen, der in der Erwachsenenpsychiatrie stationär untergebracht wird, sind einfach nicht abzuschätzen. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Aufenthalt nur von kurzer Dauer ist oder nicht. Leider sind diese Betten noch immer nicht von der restlichen Abteilung getrennt. Zudem kann man sich vorstellen, dass des zuständige Pflegepersonal nicht für die Betreuung von Minderjährigen ausgerüstet ist.
Zu erheblichen Anfangsschwierigkeiten in der praktischen Umsetzung kam es vor allem bei der Aufnahme von Jugendlichen unter 14 Jahren. Dabei kam es zu unterschiedlichen Interpretationen seitens der Zuständigen hinsichtlich einer Aufnahme der betroffenen Patienten in die Pädiatrie, sprich Abteilung für Kinder- und Jugendmedizin oder in die allgemeine psychiatrische Abteilung.
Im Gegenzug zu den Betten in der Psychiatrie sollten auch in den Pädiatrischen Abteilung Betten für Kinder und Jugendliche mit entsprechenden Störungen (Ängste, Depressionen, Essstörungen usw. ) bereitgestellt werden.
Neueste Beschlüsse seitens der Landesregierung betreffen die personelle Frage im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie. So wurden im Juni 2009 im Gegensatz zur allgemeinen Tendenz, Einsparungen im Personalbereich der Sanität zu machen, 17 neue Stellen gesichert. So können neun zusätzliche Fachärzte, vier Psychologen und vier Reha-Therapeuten eingestellt werden.
Dieses zusätzliche Personal wird für die Umsetzung der sogenannten kinder- und jugendpsychiatrischen bzw. pschotherapeutischen Fachambulanzen an den Krankenhäusern benötigt. Es handelt sich dabei um Ambulatorien in den Krankenhäusern, deren Aufgabe es sein wird, ärztliche und sozialpsychiatrische Diagnosen und Therapiepläne zu erstellen und durchzuführen, sowie die Jugendlichen der sozialpädagogischen und sozialtherapeutischen Wohngemeinschaften ambulant zu betreuen. Für die Fachambulanzen sind jeweils ein Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, ein Psychologe mit Spezialisierung in Kinder- und Jugendpsychotherapie, sowie eine Sozialpädagog/in und Sozialassistent/in vorgesehen. Daraus lässt sich der gemeinschaftlicher Ansatz von Sanitärwesen und Sozialwesen erkennen.
Eine Frage, die jedoch offen bleibt, und welche selbst der Koordinator des Netzwerkes nicht genau zu beantworten vermag, betrifft den zeitlichen Rahmen, in der diese Fachambulanzen in die Praxis umgesetzt werden können, sowie die Frage, ob genügend spezialisiertes Personal in kurzer Zeit gefunden werden kann.
Jüngste Neuerung im Bereich Kinder- und Jugendpsychiatrie stellt die Eröffnung einer weiteren sozial-therapeutischen Einrichtung der Sozialgenossenschaft „Eos“ in Leifers dar. In der neuen sozialtherapeutischen Wohngemeinschaft „Villa Sommer“ werden ab November 2009 zehn weitere „stationäre“ Betreuungsplätze geschaffen.
Da seit Beginn der Umsetzung des Planes bereits mehr als die Hälfte der dafür vorgesehenen fünf Jahre vergangen sind, darf man sich ruhig fragen, wohin dieser Plan führen soll bzw. welche die „letzten Stufen“ dieses mehrstufigen Umsetzungsplanes sein werden.
Der Landesbeschluss aus dem Jahre 2007 sieht ja „nur“ eine Schaffung von Plätzen in integrierten sozialpädagogischen Wohnheimen sowie therapeutischen Wohngemeinschaften vor.
Diese Form der Unterbringung kann aber keineswegs mit einer stationären Unterbringung auf einer Kinder- und Jugendpsychiatrischen Klinik verglichen werden, auch wenn die betroffenen Jugendlichen in den WGs interdisziplinär betreut werden, sprich, ihnen verschiedenste Therapieformen ermöglicht werden.
Wie bereits gesagt, muss man sich aus fachlicher Sicht die Frage stellen, ob eine „eigene“ Kinder- und Jugendpsychiatrische Einrichtung bzw. Klinik für Südtirol nicht doch sinnvoll bzw. notwendig wäre, da junge Patienten bis zum heutigen Tage und wohl auch noch in den nächsten Jahren, in spezielle Kliniken im Ausland überwiesen werden müssen.
Dazu Stermann: „An und für sich wäre die Notwendigkeit für ein eigenständiges Kinder- und Jugendpsychiatrisches Zentrum durchaus gegeben, das ist jedoch aus verschiedenen Gründen (zum jetzigen Zeitpunkt) nicht umsetzbar.
Die Überweisung von Kindern und vor allem Jugendlichen in Spezialkliniken bzw. therapeutische Einrichtungen im Ausland dürfen keineswegs als Verlegenheitslösung betrachtet werden, denn es hängt, abgesehen von den noch spärlichen Möglichkeiten in Südtirol, häufig auch von der Gesetzeslage hierzulande ab. Gerade Jugendliche sind nur in seltenen Fällen zu einer freiwilligen Behandlung bereit, können aber nur in seltenen Fällen langfristig zwangseingewiesen bzw. -betreut werden. Im Ausland liegt eine andere gesetzliche Situation vor.“
Zudem führt Stermann auch die Finanzierung einer solchen Einrichtung als Argument an.“Eine derartige Einrichtung würde nur der Sanität unterstehen, aber diese alleine könnte die Kosten nicht tragen. Natürlich entstehen auch bei Auslandsaufenthalten enorme Kosten, diese können jedoch auf das Sanitäts- und das Sozialwesen verteilt werden.“
Wenn dieses Argument zutrifft, sollte man sich von politischer Seite aus die Frage stellen, ob man bei der Umsetzung einer derart wichtigen Grundversorgung für Kinder und Jugendliche nur wieder auf halbherzige Lösungen zurückgreift, um im ersten Moment Geld einzusparen, langfristig aber wieder hohe Kosten zu haben.
„Was jedoch noch offen bleibt“, so Stermann, „ist die Frage, ob man eine eigene sanitäre Abteilung im Bereich Kinder- und Jugendpsychiatrie oder ein passendes Kriseninterventionszentrum umsetzen soll.“
Es bleibt nur zu hoffen, dass die Forderung sowie die Notwendigkeit einer eigenen, kleinen stationären Abteilung für Kinder und Jugendpsychiatrie erkannt und schnellstmöglich umgesetzt wird, denn es gibt nun mal Fälle wo Jugendliche einen solchen stationären Aufenthalt brauchen.
Es wird sich zeigen, ob man es in den nächsten Jahren schaffen wird, alle bereits beschlossenen Schritte umzusetzen und somit den Kindern und Jugendlichen unseres Landes endlich die psychologische, psychotherapeutische und psychiatrische Hilfe bieten zu können, die sie bei Bedarf benötigen, so dass Probleme und Störungen zeitgerecht erkannt und behandelt werden können. Dies wäre nicht nur im Sinne der Gesellschaft, sondern vor allem im Sinne der Kinder und Jugendlichen, denn die sind unsere Zukunft.
Dr. Michael Reiner
Young+Direct
Eigentlich dürfte das Thema Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie in Südtirol längst kein großes Aufsehen mehr erregen und der Dienst einwandfrei funktionieren, denn mittlerweile sind fast zehn Jahre vergangen, seitdem die Landesregierung dessen Umsetzung beschlossen hat.
Bereits ein Beschluss im fernen Jahr 2000 sah die Errichtung eines landesweiten Dienstes für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie samt aller nötigen Elemente wie stationäre und ambulante Betreuung, Notdienst, Vorsorge, Diagnose, Psychotherapie etc. vor.
Was hat sich aber seit damals in puncto Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie getan? Ein großer Schritt, zumindest auf politischer Ebene, war ein erneuter Beschluss seitens der Südtiroler Landesregierung im Jahr 2007, wobei die Schaffung eines Netzwerkes „Kinder- und Jugendpsychiatrie“ verabschiedet und Dr. Ingo Stermann mit der Koordination desselben beauftragt wurde.
Die erste Neuerung bzw. Veränderung seitens des neu beschlossenen Netzwerkes war, bereits bestehende, von Stiftungen und Sozialgenossenschaften geführte Einrichtungen wie z.B. Wohnheime, in das „neue“ Projekt zu integrieren. Somit wird das Projekt Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie nicht nur vom Sanitätswesen getragen, sondern zudem vom Sozialwesen unterstützt und mit finanziert.
„Die privaten Einrichtungen sowie die Dienste des Sozialwesens haben in puncto Unterbringung und Betreuung von verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen einfach einen jahrelangen Vorsprung gegenüber der Sanität", so der Koordinator des Netzwerkes für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Dr. Ingo Stermann. „Darum kann das Projekt Kinder- und Jugendpsychiatrie - und das ist einer der wichtigsten Gedanken überhaupt - nur ein sozial-sanitäres Projekt sein,“ so Stermann weiter.
Aus diesem Grund wurden bereits im Jahr 2007 in mehreren sozialpädagogischen Wohngemeinschaften des Landes zusätzliche Plätze für die Unterbringung von „psychiatrischen“ Fällen, sprich Kindern und Jugendlichen mit psychiatrischen Diagnosen, geschaffen. Insgesamt wurden dafür in den Einrichtungen Villa Winter (Bruneck), St. Nicoló (Meran), La Strada (Bozen), Tagesstätte Promosolida (Bozen) und Kinderdorf (Brixen) mehr als 20 Plätze geschaffen.
Leider wurden diese Plätze vor dem Aufbau eines gut funktionierenden kinder- und jugendpsychiatrischen und psychotherapeutischen Dienstes eingeführt.
Ein nächster Schritt war eine zunehmend engere Zusammenarbeit des Netzwerkes mit den Abteilungen der Erwachsenenpsychiatrie, welche in den Krankenhäusern von Meran, Brixen und Bruneck jeweils ein bzw. in Bozen zwei Betten für die Aufnahme von Kindern und Jugendlichen bereitstellen sollten.
Aber gerade hier ist aus psychologischer Sicht der größte Kritikpunkt überhaupt anzusetzen. Die möglichen negativen Auswirkungen auf einen Jugendlichen, der in der Erwachsenenpsychiatrie stationär untergebracht wird, sind einfach nicht abzuschätzen. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Aufenthalt nur von kurzer Dauer ist oder nicht. Leider sind diese Betten noch immer nicht von der restlichen Abteilung getrennt. Zudem kann man sich vorstellen, dass des zuständige Pflegepersonal nicht für die Betreuung von Minderjährigen ausgerüstet ist.
Zu erheblichen Anfangsschwierigkeiten in der praktischen Umsetzung kam es vor allem bei der Aufnahme von Jugendlichen unter 14 Jahren. Dabei kam es zu unterschiedlichen Interpretationen seitens der Zuständigen hinsichtlich einer Aufnahme der betroffenen Patienten in die Pädiatrie, sprich Abteilung für Kinder- und Jugendmedizin oder in die allgemeine psychiatrische Abteilung.
Im Gegenzug zu den Betten in der Psychiatrie sollten auch in den Pädiatrischen Abteilung Betten für Kinder und Jugendliche mit entsprechenden Störungen (Ängste, Depressionen, Essstörungen usw. ) bereitgestellt werden.
Neueste Beschlüsse seitens der Landesregierung betreffen die personelle Frage im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie. So wurden im Juni 2009 im Gegensatz zur allgemeinen Tendenz, Einsparungen im Personalbereich der Sanität zu machen, 17 neue Stellen gesichert. So können neun zusätzliche Fachärzte, vier Psychologen und vier Reha-Therapeuten eingestellt werden.
Dieses zusätzliche Personal wird für die Umsetzung der sogenannten kinder- und jugendpsychiatrischen bzw. pschotherapeutischen Fachambulanzen an den Krankenhäusern benötigt. Es handelt sich dabei um Ambulatorien in den Krankenhäusern, deren Aufgabe es sein wird, ärztliche und sozialpsychiatrische Diagnosen und Therapiepläne zu erstellen und durchzuführen, sowie die Jugendlichen der sozialpädagogischen und sozialtherapeutischen Wohngemeinschaften ambulant zu betreuen. Für die Fachambulanzen sind jeweils ein Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, ein Psychologe mit Spezialisierung in Kinder- und Jugendpsychotherapie, sowie eine Sozialpädagog/in und Sozialassistent/in vorgesehen. Daraus lässt sich der gemeinschaftlicher Ansatz von Sanitärwesen und Sozialwesen erkennen.
Eine Frage, die jedoch offen bleibt, und welche selbst der Koordinator des Netzwerkes nicht genau zu beantworten vermag, betrifft den zeitlichen Rahmen, in der diese Fachambulanzen in die Praxis umgesetzt werden können, sowie die Frage, ob genügend spezialisiertes Personal in kurzer Zeit gefunden werden kann.
Jüngste Neuerung im Bereich Kinder- und Jugendpsychiatrie stellt die Eröffnung einer weiteren sozial-therapeutischen Einrichtung der Sozialgenossenschaft „Eos“ in Leifers dar. In der neuen sozialtherapeutischen Wohngemeinschaft „Villa Sommer“ werden ab November 2009 zehn weitere „stationäre“ Betreuungsplätze geschaffen.
Da seit Beginn der Umsetzung des Planes bereits mehr als die Hälfte der dafür vorgesehenen fünf Jahre vergangen sind, darf man sich ruhig fragen, wohin dieser Plan führen soll bzw. welche die „letzten Stufen“ dieses mehrstufigen Umsetzungsplanes sein werden.
Der Landesbeschluss aus dem Jahre 2007 sieht ja „nur“ eine Schaffung von Plätzen in integrierten sozialpädagogischen Wohnheimen sowie therapeutischen Wohngemeinschaften vor.
Diese Form der Unterbringung kann aber keineswegs mit einer stationären Unterbringung auf einer Kinder- und Jugendpsychiatrischen Klinik verglichen werden, auch wenn die betroffenen Jugendlichen in den WGs interdisziplinär betreut werden, sprich, ihnen verschiedenste Therapieformen ermöglicht werden.
Wie bereits gesagt, muss man sich aus fachlicher Sicht die Frage stellen, ob eine „eigene“ Kinder- und Jugendpsychiatrische Einrichtung bzw. Klinik für Südtirol nicht doch sinnvoll bzw. notwendig wäre, da junge Patienten bis zum heutigen Tage und wohl auch noch in den nächsten Jahren, in spezielle Kliniken im Ausland überwiesen werden müssen.
Dazu Stermann: „An und für sich wäre die Notwendigkeit für ein eigenständiges Kinder- und Jugendpsychiatrisches Zentrum durchaus gegeben, das ist jedoch aus verschiedenen Gründen (zum jetzigen Zeitpunkt) nicht umsetzbar.
Die Überweisung von Kindern und vor allem Jugendlichen in Spezialkliniken bzw. therapeutische Einrichtungen im Ausland dürfen keineswegs als Verlegenheitslösung betrachtet werden, denn es hängt, abgesehen von den noch spärlichen Möglichkeiten in Südtirol, häufig auch von der Gesetzeslage hierzulande ab. Gerade Jugendliche sind nur in seltenen Fällen zu einer freiwilligen Behandlung bereit, können aber nur in seltenen Fällen langfristig zwangseingewiesen bzw. -betreut werden. Im Ausland liegt eine andere gesetzliche Situation vor.“
Zudem führt Stermann auch die Finanzierung einer solchen Einrichtung als Argument an.“Eine derartige Einrichtung würde nur der Sanität unterstehen, aber diese alleine könnte die Kosten nicht tragen. Natürlich entstehen auch bei Auslandsaufenthalten enorme Kosten, diese können jedoch auf das Sanitäts- und das Sozialwesen verteilt werden.“
Wenn dieses Argument zutrifft, sollte man sich von politischer Seite aus die Frage stellen, ob man bei der Umsetzung einer derart wichtigen Grundversorgung für Kinder und Jugendliche nur wieder auf halbherzige Lösungen zurückgreift, um im ersten Moment Geld einzusparen, langfristig aber wieder hohe Kosten zu haben.
„Was jedoch noch offen bleibt“, so Stermann, „ist die Frage, ob man eine eigene sanitäre Abteilung im Bereich Kinder- und Jugendpsychiatrie oder ein passendes Kriseninterventionszentrum umsetzen soll.“
Es bleibt nur zu hoffen, dass die Forderung sowie die Notwendigkeit einer eigenen, kleinen stationären Abteilung für Kinder und Jugendpsychiatrie erkannt und schnellstmöglich umgesetzt wird, denn es gibt nun mal Fälle wo Jugendliche einen solchen stationären Aufenthalt brauchen.
Es wird sich zeigen, ob man es in den nächsten Jahren schaffen wird, alle bereits beschlossenen Schritte umzusetzen und somit den Kindern und Jugendlichen unseres Landes endlich die psychologische, psychotherapeutische und psychiatrische Hilfe bieten zu können, die sie bei Bedarf benötigen, so dass Probleme und Störungen zeitgerecht erkannt und behandelt werden können. Dies wäre nicht nur im Sinne der Gesellschaft, sondern vor allem im Sinne der Kinder und Jugendlichen, denn die sind unsere Zukunft.
Dr. Michael Reiner
Young+Direct




