Artikel 12 der UN-Kinderrechtskonvention: Kinder und Jugendliche haben das Recht, bei allen Fragen, die sie betreffen, mitzubestimmen und zu sagen, was sie denken.

Partizipation darf nicht nur ein Schlagwort sein, sondern muss zur Grundeinstellung werden, die möglichst in vielen Bereichen unseres Alltags gelebt wird. Kinder und Jugendliche brauchen Lernfelder, in denen sie Beteiligung und Demokratie in der Praxis spüren, wahrnehmen und dadurch hautnah erleben können. Die Kinder- und Jugendverbandsarbeit in Südtirol ihre Aufgabe auch darin, aktiv Partizipationsprozesse zu initiieren und zu begleiten. Der Südtiroler Jugendring (SJR) hat im Auftrag seiner Mitgliedsorganisationen diese wichtige Rolle übernommen. Hier stellen wir einige aktuelle Beispiele (Stand November 2009) vor.
Befragung zu Beteiligungsprojekten
Im Rahmen einer Diplomarbeit, die derzeit an der Fakultät für Bildungswissenschaften und der Fakultät für Politikwissenschaften der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck erstellt wird, findet eine südtirolweite Erhebung zur Beteiligung von Jugendlichen auf Gemeindeebene statt. Mit der Befragung werden die unterschiedlichen Formen und Beteiligungsmodelle erhoben, die die politischen Einflussmöglichkeiten von Jugendinteressen im Dorf- oder Stadtleben umfassen. Dabei kann es sich sowohl um zeitlich befristete Projekte als auch um dauerhafte Einrichtungen handeln. Der Südtiroler Jugendring (SJR), der seit vielen Jahren im Bereich der Beteiligung tätig ist, unterstützt die Befragung um einen möglichst objektiven Blick auf die bisher geleisteten kommunalen Jugendbeteiligungsmodelle werfen zu können.
Jugendforum Terenten
Zum ersten
Mal hat die Gemeinde Terenten am Samstag, 23. Mai die Jugendlichen des Dorfes zu einem Jugendforum eingeladen. 18 Jugendliche sind dieser Einladung gefolgt und konnten in 4 verschiedenen Workshops ihre Wünsche, Vorstellungen und Anregungen deponieren. Insgesamt zeigte sich, dass sich die Jugendlichen in Terenten durchaus wohl fühlen, dass es aber auch einige Punkte gibt, die es noch zu verbessern gilt. Die Jugendlichen haben nicht nur Kritik geübt, sondern auch die positiven Seiten erarbeitet und sie waren durchaus auch selbstkritisch. Ein wesentliches Anliegen der Jugendlichen war dabei jenes nach mehr Beteiligungsmöglichkeiten. Die Jugendlichen selber sollen zu einer der nächsten Gemeinderatssitzungen eingeladen werden und dann die Möglichkeit haben, die Ergebnisse allen Gemeinderäten zu präsentieren. Außerdem sind bereits einige Verbesserungen in der konkreten Umsetzungsphase. So soll auch am Sonntag eine Busverbindung nach Terenten realisiert werden, ein Radweg soll errichtet werden und auch der lang ersehnte Billardtisch im Jugendzentrum soll rasch Wirklichkeit werden. Dies alles waren Wünsche, welche die Jugendlichen formuliert hatten.
Jugendbefragung „Focus Eppan“
Nach einer längeren Informations- und Planungsphase wurde im Sommer auf einer Mitgliederversammlung des Eppaner Ortsjugendrings die Durchführung einer Jugendbefragung beschlossen.
Ziel der Aktion, die sich bis Ende des Jahres erstrecken wird und deren Ergebnisse im Frühjahr 2010 öffentlich präsentiert werden sollen, ist es, eine Erhebung der Bedürfnisse im Jugendbereich zu erstellen. Die Initiatoren haben im Sommer auf Festen Ständchen errichtet und Fragebögen verteilt. Außerdem wird derzeit eine Fragebogenerhebung für Schüler/innen und eine Online-Umfrage durchgeführt. Zudem wurden mit Vertreter/innen aus Politik, Verwaltung, Vereinen, Jugendarbeit und Schule sowie in den Gruppenstunden verschiedener Jugendvereine Interviews durchgeführt.
Die Ergebnisse können dem Ortsjugendring, der Gemeinde Eppan sowie weiteren Entscheidungsträgern im Bereich Jugend dazu dienen, Angebote zu entwickeln, auszubauen oder abzuändern, die sich an den Bedürfnissen der Jungbürger orientieren. Zudem möchte der Ortsjugendring Jugendliche dazu anregen, sich für ihre Belange einzusetzen und für Eppan aktiv zu werden. Jugendliche sollen dadurch vorhandene Dinge stärker wertschätzen und weniger konsumieren, sondern selbst Angebote mit entwickeln und durchführen. Dadurch könnte sich die Akzeptanz von Aktivitäten für die junge Generation weiter verbessern und diese noch stärker wahrgenommen werden.
Die Jugendbefragung wird vom Ortsjugendring, einem Zusammenschluss der Kinder- und Jugendvereine aller Eppaner Fraktionen, durchgeführt. Unterstützt wird er dabei vom Südtiroler Jugendring, dem Jugenddienst, der Gemeinde Eppan sowie dem Amt für Jugendarbeit.
Die „Schulhofpiraten“ waren in Unterinn unterwegs
Im Rahmen einer zweitägigen Zukunftswerkstatt haben im Oktober 90 Kinder der Grundschule Unterinn/Ritten Ideen für die Umgestaltung ihres Schulhofes entwickelt. Dabei waren sie als „Schulhofpiraten“ unterwegs und hatten verschiedene Piratendisziplinen zu absolvieren. Egal ob „Schimpfen wie ein Rohrspatz“, „Tolle Ideen haben und neue Dinge entwickeln“, „Fit wie ein Turnschuh und munter wie ein Fisch im Wasser“ oder „Gemeinsam Entscheidungen treffen können“ – die Kinder der ersten bis fünften Klassenstufe meisterten diese und weitere Aufgaben mit viel Engagement und Kreativität.
In 19 großen Modellen stellten sie ihre Ideen und Vorschläge kreativ dar und präsentierten diese in einer öffentlichen Veranstaltung den ca. 200 anwesenden Eltern, Schul- und Gemeindevertreter/innen und Mitschüler/innen.
In einem so genannten „Planungszirkel“ werden jetzt die Ideen von Kindern und Erwachsenen auf ihre tatsächliche Umsetzbarkeit hin geprüft, bevor im Frühjahr 2010 der Schulhof umgestaltet wird. Finanzmittel dafür hat die Gemeinde Ritten bereits zugesagt.
Jugendforum Brixen am 19.12.2009
Am 19. Dezember wird es in Brixen ein Jugendforum geben, während dem Jugendliche die Möglichkeit haben, ihre Sicht auf ihre Stadt und ihre Ideen für eine jugendgerechte Weiterentwicklung der Angebote zu äußern. Ähnlich wie während des Jugendforums für die Terner Jugendlichen werden auch die Brixner sowohl im Plenum als auch in Workshops arbeiten.
Durchgeführt wird das Jugendforum von Moderator/innen des Südtiroler Jugendrings, getragen von der Stadt. Kooperationspartner dabei sind das JUKAS und der Jugenddienst sowie elf Brixner Vereine.




