Artikel 27 der UN-Kinderrechtskonvention: Kinder und Jugendliche haben das Recht, ein gutes Leben zu führen.Die Staaten müssen die Familien dabei unterstützen, den Kindern und Jugendlichen Essen und Trinken, Kleidung und Wohnung zu sichern.
Armut, vor allem aber Kinderarmut, hat viele Gesichter und ist ein vielschichtiges Phänomen. Ein Phänomen, das die ganze Welt betrifft und von dem auch Südtirol nicht verschont bleibt. Anlässlich des Caritas-Sonntags am 15.11.09 hat die Caritas 5 Plakate zum Thema „Kinder und Armut“ entwickelt und will mit dem Projekt „Kinder + Armut / Bambini poveri? Poveri bambini!“ und begleitenden Aktionen auf die Kinderarmut in Südtirol aufmerksam machen und die Gesellschaft sensibilisieren.
In der UN-Kinderrechtskonvention wurde im Artikel 27 das Recht der Kinder auf die Erfüllung ihrer Grundbedürfnisse festgehalten:
1) Die Vertragsstaaten erkennen das Recht jedes Kindes auf einen seiner körperlichen, geistigen, seelischen, sittlichen und sozialen Entwicklung angemessenen Lebensstandards an.
(2) Es ist in erster Linie Aufgabe der Eltern oder anderer für das Kind verantwortlicher Personen, im Rahmen ihrer Fähigkeiten und finanziellen Möglichkeiten die für die Entwicklung des Kindes notwendigen Lebensbedingungen sicherzustellen.
Aber: „Weltweit verhungern alle 3,5 Sekunden ein Mensch, 24.000 Menschen sterben täglich an Hunger, drei Viertel davon sind Kinder unter 5 Jahren. Hunger ist ein täglicher Skandal der Ungleichheit auf dieser Welt, eine schleichende Katastrophe, die leicht vergessen wird. 854 Millionen Menschen verhungern weltweit.“
Auch in Südtirol leben 14,8% der Haushalte unter der relativen Armutsgrenze, d.h. „es fehlen die erforderlichen Mittel für ein einfaches tägliches Leben“, wie aus dem Informationsblatt der Caritas „nah und fern“ Ausgabe 04/2009 hervorgeht.
Armut, vor allem aber Kinderarmut hat viele Gesichter und ist ein vielschichtiges Phänomen; ein Phänomen, das die ganze Welt betrifft und von dem auch Südtirol nicht verschont bleibt.
Armut wird als Begriff sehr absolut gebraucht, demnach ist arm, wer wenig hat. Die Armut und auch die Kinderarmut werden am Wohlstand der Gesellschaft gemessen. Die relative Armutsgrenze wurde 2001 in der EU folgendermaßen definiert: Als relativ arm (und armutsgefährdet) gilt, wer weniger als 60% des mittleren Einkommens eines vergleichbaren Haushaltes in seinem Land zur Verfügung hat.
Relative Armut macht sich auch durch eine sozio-kulturelle Verarmung bemerkbar. Das heißt, dass ein Leben nach den Minimalstandards der Gesellschaft nur eingeschränkt oder nicht mehr möglich ist. Insgesamt 14,8% der Südtiroler Haushalte leben unter der relativen Armutsgrenze und den Familien fehlen die erforderlichen Mittel für ein einfaches, tägliches Leben.
Die materielle Armut der Eltern äußert sich in finanzieller Not, was nicht selten zu einer emotionalen Armut bei den Kindern führen kann. Die Eltern resignieren und sind abgestumpft, was sich auf die Kinder und Jugendlichen überträgt. Sie werden vernachlässigt, was sich in einer mangelnden Zuneigung, einem mangelnden Selbstbewusstsein und oftmals fehlenden Perspektiven äußern kann.
Weiters ist die soziale Armut zu nennen, die entsteht, wenn ein soziales Netzwerk fehlt, wenn den Kindern und Jugendlichen Beziehungen fehlen, die für den Aufbau wichtiger Sozialkompetenzen notwendig sind.
Kinder und Jugendliche, die in armutsgefährdeten Haushalten aufwachsen, haben ungünstigere Entwicklungsbedingungen sowohl hinsichtlich ihrer schulischen und beruflichen Ausbildung, ihrer familiären Beziehungen und Kontakte, als auch ihren Sozialkompetenzen im Austausch mit gleichaltrigen Gruppen.
„Bei der Betrachtung des Phänomens der Kinderarmut brauchen wir ein mehrdimensionales Armutsverständnis“ so Caritasdirektor Heiner Schweigkofler. Kinderarmut bedeutet somit viel mehr, als nur wenig Geld zu haben. Die Armut der Kinder ist die Armut ihrer Eltern. Herr Schweigkofler beschreibt die Armut daher auch als „soziales Erbe“. „Oft ist es so, dass Kinder, die Armut in ihrem Aufwachsen als fundamentale Beeinträchtigung erlebt haben, arm bleiben – und auch deren Kinder arm werden“.
Im Jahr 2007 haben insgesamt 4.352 Haushalte in Südtirol finanzielle Unterstützung von der Autonomen Provinz Bozen erhalten, um ihren Kindern mindestens das Lebensminimum bieten zu können, wie aus der Tabelle 9.17 des Landesinstituts für Statistik (ASTAT) hervorgeht.
Finanzielle Sozialhilfe zur Sicherung des Sozialen Mindesteinkommens (a) nach Bezirksgemeinschaft – 2007
| Betreute Haushalte | Betreute Personen(b) | Ausgaben (Euro) | Betreute je 1.000 Einwohner | Ausgaben je Haushalt (Euro) | |
| Vinschgau | 215 | 486 | 489.152 | 14,4 | 2.275 |
| Burggrafenamt | 967 | 2.066 | 2.366.347 | 21,9 | 2.447 |
| Überetsch-Südt. Unterl. | 422 | 1.153 | 770.490 | 16,3 | 1.826 |
| Bozen | 1.655 | 3.561 | 3.349.391 | 35,4 | 2.024 |
| Salten-Schlern | 172 | 410 | 319.397 | 8,7 | 1.857 |
| Eisacktal | 513 | 1.207 | 1.179.904 | 23,3 | 2.300 |
| Wipptal | 189 | 426 | 512.244 | 22,8 | 2.710 |
| Pustertal | 219 | 467 | 376.920 | 6,3 | 1.721 |
| Südtirol insgesamt | 4.352 | 9.763 | 9.363.845 | 19,9 | 2.125 |
(b) Anzahl der Personen, aus denen sich die betreuten Haushalte zusammensetzen.
An erster Stelle der Unterstützung muss gesunde und ausreichende Ernährung und eine angemessene Wohnsituation stehen. Die finanzielle Sozialhilfe der Autonomen Provinz Bozen bietet eine Fachberatung für Familien hinsichtlich ihrer persönlichen und finanziellen Situation an, finanzielle Sonderleistungen und Tarifbegünstigungen. „Sie trägt außerdem im Rahmen eines integrierten und koordinierten Systems von Dienstleistungen zugunsten von Familien und Einzelpersonen dazu bei, familiäre und persönliche Notlagen im finanziellen Bereich vorzubeugen, sie zu überbrücken und sie zu beseitigen. Etwa 70% der Direktausgaben entliefen auf die zwei Hauptmaßnahmen zur Bekämpfung der Armut: das Soziale Mindesteinkommen und der Zuschuss für Miet- und Wohnungsnebenkosten.“
Aus der Homepage der Autonomen Provinz Bozen, Abteilung Sozialwesen geht hervor, dass das Land Südtirol im vergangenen Jahr 2008 14 Millionen Euro für finanzielle Sozialhilfe ausgegeben hat. „Die finanzielle Sozialhilfe ist die letzte Stufe des sozialen Sicherungssystems, deren Leistungen erst gewährt werden, wenn Notlagen weder durch eigene oder familiäre Hilfe noch durch Inanspruchnahme anderer Leistungen von Staat, Region und Land gelöst werden können. Die finanzielle Sozialhilfe wird zeitlich befristet gewährt, da sie als Übergangshilfe zur Wiedererlangung der wirtschaftlichen Selbständigkeit gedacht ist.
Familien in finanziellen Nöten haben Anspruch auf einen Grundbetrag, damit sie ihre Grundbedürfnisse wie Nahrung, Bekleidung, Hygiene, Gesundheit befriedigen können.“ Wenn sie selbst nicht das soziale Mindesteinkommen erhalten, steht ihnen der Fehlbetrag von Seiten des Landes zu.
Neben der finanziellen Unterstützung muss die Hilfe aber auch weiter gehen und es muss für Kinder und Jugendliche ein soziales Netzwerk entstehen, das sie auffängt und sensibel auf die Nöte der Kinder und Jugendlichen reagiert. Einzelpersonen, Verbände, Schulen und Organisationen können schulische Unterstützung und Hausaufgabenhilfe anbieten, Freizeitveranstaltungen und Ausflüge organisieren und Unterstützungspakete für Kinder und Jugendliche schnüren. All das kann die Kinder emotional stärken und ein Hilfsangebot darstellen.
Anlässlich des Caritas-Sonntags am 15.11.2009 hat die Caritas 5 Plakate zum Thema „Kinder und Armut“ entwickelt und mit dem Thema „Kinder + Armut / Bambini poveri? Poveri bambini!“ und begleitenden Aktionen will die Caritas auf die Kinderarmut in Südtirol aufmerksam machen und die Gesellschaft sensibilisieren. Dabei wird Armut von ganz verschiedenen Blickwinkeln her beleuchtet. „Kinder, die ausgegrenzt sind, weil sie anders sind; Kinder, die sich einsam und zerrissen fühlen, weil ihre Familien zerrüttet sind; Kinder, die nicht mithalten können, weil ihre Eltern mit dem Einkommen nicht auskommen; Kinder, die oft alleine sind, weil soziale Netzwerke fehlen;…“ Daher ist es wichtig, dass sich die Gesellschaft dafür einsetzt, dass sich die Lebensbedingungen der Kinder in Südtirol verbessern und mehr auf die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen eingegangen wird, sodass man der Kinderarmut entgegen wirken kann. Einen Schritt in diese Richtung gehen wir heute, indem wir im Rahmen des Cartitas-Sonntag das Thema „Kinder + Armut“ in den Vordergrund stellen.
Quellen:
- Caritas Diözese Bozen-Brixen, Hunger macht keine Ferien
- Caritas Diözese Bozen-Brixen, „nah und fern“, Ausgabe 04/2009, S. 1+ 2
- Landesinstitut für Statistik (ASTAT): Statistisches Jahrbuch 2008, S. 251
- Sozialstatistiken 2008, S. 5
- http://www.provinz.bz.it/sozialwesen/kindheit-familie/finanzielle-sozialhilfe.asp




