Artikel 29 der UN-Kinderrechtskonvention:
Schule und Ausbildung sollen den Bedürfnissen und Fähigkeiten sowie der Würde der Kinder und Jugendlichen entsprechen. Sie sollen Freude am Unterricht haben.
"Unter den drei Verben, mit denen man das Wort Bildung assoziieren kann: Etwas haben bzw. wissen - etwas können bzw. tun - etwas sein bzw. sich einer Sache bewusst sein, verwenden wir noch immer die größte Anstrengung auf das erste und fast keine auf das letzte, auf das es in unserer Zeit am meisten ankäme." (Hartmut von Hentig)
Neue Erziehungsgedanken und Schulstrukturen in der Grundschule Prad
“Was bewegt „gestandene Lehrerinnen“ wie uns, die wir eigentlich mit nur einem Bleistift in die Schule kommen könnten, so was anzugehen?", meinte Ende des letzten Schuljahres ironisch eine Kollegin in der Kaffeepause und blickte uns fragend an.
Ja, was hat uns dazu gebracht die Schule in Prad irgendwie auf den Kopf zu stellen, Erziehungs- und Bildungsfragen in den Mittelpunkt zu stellen und heiße Diskussionen über Monate hinweg in Gang zu setzen?
Ausgelöst durch eine Fortbildung am letzten Schultag im Juni 2006, hat sich der Wunsch nach Veränderung buchstäblich verselbstständigt...
Augenscheinlich hatten alle Lehrpersonen spürbar wahrgenommen, dass Schule nach alten Mustern einer Erneuerung bedurfte.
Kindern Eigenständigkeit zuzugestehen, Selbstständigkeit fördern, Demokratie in altersunterschiedlicher Gemeinschaft erleben, authentische Leistungsbereitschaft wecken sind einige der Grundpfeiler des didaktischen Konzeptes.
Im Schuljahr 2008/09 besuchen 134 Kinder die 1. bis 4. Klassen wobei diese nicht wie gewohnt in Jahrgangsklassen eingeteilt sind, sondern ihre „Heimat“ in so genannten Stammgruppen finden. Jede Stammgruppe besteht aus Schüler/innen zweier Jahrgangsstufen (1. / 2.K lasse; 3./ 4.Klasse).
In der Stammgruppe finden regelmäßig Gespräche zum Sozialleben und zum Lernen statt, aber auch gesellige Anlässe werden genutzt um das Gruppenleben zu bereichern. Spielregeln des demokratischen Zusammenlebens werden praktisch umgesetzt, wenn die Kinder z.B. lernen selbst die Moderation zu übernehmen, wobei sie Regeln für die Schulgemeinschaft gemeinsam erarbeiten.
Den Schülern und Schülerinnen werden viele Möglichkeiten geboten ihr Lernen selbst zu gestalten, Lernwege und Lerninhalte individuell anzupassen und vor allem Sinn in ihrem Tun zu entdecken. Verständlicherweise entfachte das Ungewohnte Widerstand, der berechtigterweise aus mangelnder Vorinformation an die Elternschaft entstanden ist, fand aber auch viel Zustimmung wie eine Erhebung erbrachte.
Trotzdem erachten wir die Tatsache, dass sich ein ganzes Dorf über einen längeren Zeitraum hindurch intensiv mit Erziehungsgedanken und Schulstrukturen auseinander gesetzt hat, durchwegs positiv, auch wenn der Zeit- und Energieaufwand sehr groß war und ist. So erscheint auch eine Antwort aus der Eingangs gestellten Frage möglich: Was uns weiterhin bewegt, sind die Freude an der täglichen Begegnung mit den Schülern, die Einsicht, dass Lernen für das Leben geschieht und stets wechselseitig bedingt ist.... Auch wir lernen ein Leben lang.
Mehr zur Grundschule Prad finden sie hier
Die Lehrpersonen der 1. - 4. Klasse i. A. Dominique Wallnöfer
Dominique Wallnöfer ist Lehrerin an der Grundschule in Prad und nimmt derzeit am Lehrgang „Moderator/innen für Kinder- und Jugendbeteiligungsprozesse“ teil, den das Deutsche Schulamt und der Südtiroler Jugendring gemeinsam durchführen. In dieser Ausbildung werden ehrenamtlich und hauptberuflich Tätige aus den Mitgliedsorganisationen des Südtiroler Jugendrings (SJR) sowie Lehrpersonen aus allen Schulstufen gemeinsam fortgebildet. In einem 1,5jährigen berufsbegleitenden Kurs erlernen sie Hintergrundwissen und Methodenkenntnisse um anschließend als Expert/innen für Kinder- und Jugendbeteiligung selbständig Partizipationsprozesse zu begleiten und zu gestalten.
Filmausschnitt "Treibhäuser der Zukunft"
In Deutschland hat der Filmemacher Reinhard Kahl mit seinen Filmen verschiedene „gelingende Schulen“ und deren innovative Modelle dargestellt. Nähere Informationen zu ihm und seinen Filmen finden sie unter www.reinhardkahl.de oder beim „Archiv der Zukunft“




